Glühlampen „Made in Switzerland“

Haben Sie gewusst, dass in der Schweiz eine der letzten verbliebenen Glühlampenmanufakturen in Europa steht? Mit der EU Effizienz Verordnung (244/2009) war absehbar, dass dieses Industrieprodukt mit Tradition Aussterben wird. Den durch das europäische Parlament abgesegneten Kahlschlag überlebten nur wenige, vormals kleine Produzenten. Ein Produzent blieb in Deutschland, einer in Schweden, einer in der Schweiz zurück. Die Arbeitsplätze wanderten nach Fernost ab, die Nachfolger der Glühlampe werden fast ausnahmslos in China produziert. Doch ähnlich wie die Schallplatte welche die CD überleben wird, werden auch Glühlampen ihre vermeintlich moderneren Nachfolger überleben. Zu klein sind deren Vorteile, zu gross wiegen die Nachteile. Licht ist eben nicht gleich Licht.

Dies ist jedoch eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt werden. Hier wird es um die Produktion traditioneller Glühlampen gehen. Wir nähern uns an diesem verregneten Aprilnachmittag von der Autobahn kommend, dem vierstöckigen älteren und unscheinbaren Industriegebäude am Rande des schönen Zugersee. Hier ist sie also, einer der letzten Produktionen von Glühlampen in Europa. Nicht nur herkömmliche Glühlampen werden hier von Hand produziert, auch die dekorativen Kohlenfadenlampen von Accende, sowie Bahn- und Sicherheitslampen, werden von hier aus nach ganz Europa verschickt. Man lebt in der Nische, welche die grossen Produzenten mit ihrem brüsken Produktionsstop der thermischen Lampen hinterliessen.

Alle Glühlampen sind gleich aufgebaut und bestehen aus einem Glas-Sockel, Elektroden, einem hochvergütetem Wolfram-Wendel, einem Glas-Kolben und dem Messingsockel. Auf den folgenden Bildern ist zu sehen, wie die Glaskolben in ihre endgültige Form gebracht und der Kolben mit der Fassung verbunden wird. Verwendet wird ein Spezialzement, welcher den Kolben luftdicht abdichtet. Alle Lampen aus der Produktion werden vor der Auslieferung auf einer Teststation geprüft. Zuerst nur mit leichter Spannung, dann mit Überspannung. Nach ein paar Tagen wird nochmals getestet, ob der Kolben dicht ist, oder die Lampen „Luft ziehen“. So können die hohen Qualitätsanforderungen und die Kundenerwartungen in eine Glühlampe „Made in Switzerland“ erfüllt werden.

Zur Fabrikation des Gestells werden die Elektroden auf Halbautomaten eingesetzt und die Wendelhalterungen ins Gestell eingeschmolzen. Mehrere Halterungen sind deshalb sehr wichtig, damit die Glühbirnen stossfest werden, wie dies z.B. bei der Weihnachtsbeleuchtung, den Deluxe- und Deco- Glühlampen oder bei den stossfesten Standard- und Zierlampen notwendig ist. Bei der Produktion wird der Glühlampenwendel von Hand aufgewickelt. Der Drahtdurchmesser der Wendel beträgt dabei nur ein Zehntel eines Menschenhaares! Dies erfordert, bei Toleranzvorgaben von max. +/- 0.5mm, eine gute Fingerfertigkeit, ein geschultes Auge und viel Geduld.
Übrigens sind im Gegensatz zu ihren Brüdern, alle Bestandteile einer Glühbirne schadstofffrei und können ganz normal über den Hausmüll entsorgt werden. Gerne stehen wir zur Verfügung, falls Sie Fragen zu unseren Produkten haben sollten.

 

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Das „Innenleben“ der Glühbirne wird zusammengeschmolzen

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Das „Filament“ unserer Kohlenfadenlampen wird von Hand aufgerollt.

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Teststation: Zuerst wird nur mit leichter Spannung, dann mit Überspannung getestet.

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Die Kolben werden mit der Fassung verbunden. Es wird wegen den Temperaturen ein Zement, kein Klebstoff verwendet.

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Die Kolben werden in die endgültige Form gebracht.

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Nahaufnahme. Alles wird für optimalen Sitz nochmals erhitzt.

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Die Glasröhrli für die Stege in der Glühlampe.

 

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